Die Privatisierung der Depression: Mark Fisher, Hauntology und der kapitalistische Realismus

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Was hat Karl Marx mit der aktuellen Popmusik zu tun? Warum ist der Dubstep-Musiker Burial der Edward Hopper der Gegenwart? Warum drohen wir alle zu Jacks zu werden, diesem furchtbar gruseligen Jack aus dem Film „The Shining“, wie ihn Jack Nicholson eindrücklich verkörpert hat? Mark Fisher weiß die Antworten.

Der britische Kulturtheoretiker machte als Weggefährte von Simon Reynolds („Retromania“) mit seinem Blog „k-punk“ auf sich aufmerksam. In seinem Essay „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“ untersuchte er die Auswirkungen des Neoliberalismus auf Psyche, Schule, Leben und Popkultur.

Nun hat er in Großbritannien sein neues Buch „Ghosts of my Life“ veröffentlicht. Er greift darin das von Jaques Derrida eingeführte Phänomen der Hauntology auf. Derrida beschrieb usprünglich, dass Europa von den Geistern seiner Vergangenheit, dem Marxismus, auch in Zukunft noch heimgesucht werde – denn die sozialen Probleme würden im Kapitalismus eher mehr als weniger. Fisher überträgt dieses Konzept vom Marxismus auf die heutige Musiklandschaft.

Marx goes Pop

Seine These: Wir, das Fußvolk im kapitalistischen System, sind im Hamsterrad des ewigen Kreislaufs von Produktion und Konsum gefangen und können weder vor, noch zurück. Wir haben unsere Kreativität und unsere Zukunft verloren.

Mark Fisher weist das an den Sackgassen auf, in die sich die Popkultur des 21. Jahrhunderts manövriert hat: die Krise des Pop und der Aufstieg des Neoliberalismus gehen Hand in Hand – eine bestechende, extrem spannende Gesellschaftsanalyse.

Quelle: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/generator-mark-fisher100.html Erstausstrahlung: 1. Juni 2014

Human and nature dynamics (HANDY): Modeling inequality and use of resources in the collapse or sustainability of societies

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There are widespread concerns that current trends in resource-use are unsustainable, but possibilities of overshoot/collapse remain controversial. Collapses have occurred frequently in history, often followed by centuries of economic, intellectual, and population decline. Many different natural and social phenomena have been invoked to explain specific collapses, but a general explanation remains elusive.

In this paper, we build a human population dynamics model by adding accumulated wealth and economic inequality to a predator–prey model of humans and nature. The model structure, and simulated scenarios that offer significant implications, are explained. Four equations describe the evolution of Elites, Commoners, Nature, and Wealth. The model shows Economic Stratification or Ecological Strain can independently lead to collapse, in agreement with the historical record.

The measure “Carrying Capacity” is developed and its estimation is shown to be a practical means for early detection of a collapse. mechanisms leading to two types of collapses are discussed. The new dynamics of this model can also reproduce the irreversible collapses found in history. Collapse can be avoided, and population can reach a steady state at maximum carrying capacity if the rate of depletion of nature is reduced to a sustainable level and if resources are distributed equitably.

2014 The Authors. Published by Elsevier B.V. This is an open access article under the CC BY license (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/).

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Radiobeitrag: Wie der Kapitalismus uns zu selbstausbeutern macht von Byung-Chul Han

Die moderne Gesellschaft basiert auf einem endlosen Perfektionierungsmuster, das psychische Gefahren mit sich bringt. Byung-Chul Han beschreibt die Mechanismen der Selbstausbeutung in Zeiten des Neoliberalismus.

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quelle: http://www.swr.de/

Südkorea – Eine Müdigkeitsgesellschaft im Endstadium. Von Byung-Chul Han

U-Bahn in Soul
U-Bahn in Soul

Informationsmüdigkeit

Als die koreanische Ausgabe der „Müdigkeitsgesellschaft“ erschien, hielt ich mich in Seoul auf. So konnte ich die Reaktion der Medien auf das Buch gut beobachten. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das Buch zu einem viel diskutierten Bestseller. Die erste Auflage war schon am Tag ihres Erscheinens vergriffen. Offenbar fühlten sich die Koreaner von der Grundthese des Buches betroffen, dass die heutige Leistungsgesellschaft eine Gesellschaft freiwilliger Selbstausbeutung ist, dass die Freiheitsrufe wie „Yes we can“ oder „Ja Du kannst“ in Wirklichkeit etwas Teuflisches an sich haben, dass sie so viele selbstgenerierte Zwänge erzeugen, an denen das Leistungssubjekt zugrunde geht (Burnout).
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A Declaration of the Independence of Cyberspace

Perry Barlow
Perry Barlow

Eine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace

John Perry Barlow (english blow)

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen – und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten.
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Jacob Appelbaums Rede auf der Demonstration „Freiheit statt Angst“ 2014

Am 30.08.2014 fand die diesjährige „Freiheit statt Angst-Demo“ kurz FsA statt. Neben unter anderen Dr. Gössner (Internationale Liga für Menschenrechte) hat auch der Journalist und Aktivist Jacob Appelbaum eine kurze Rede gehalten. Zum ersten mal auf Deutsch. Die Transkription kann man hier nachlesen. Die Transkription ist nahezu Wortgenau.

Danke schön dass ich hier sein kann.

Letztes Jahr hab ich als Journalist in Berlin gelebt und gearbeitet. Und danke schön für eure Solidarität und danke schön für eure Arbeit und euren Schutz.
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It’s time to show that the whole world supports Edward Snowden

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Fr. 06. June 2014 | airport protest worldwide | #WaitingForEd

We want to organize a worldwide protest. The idea is simple but ingenious: You print out a sign with Edward Snowden’s name on it and go to the next airport and „wait for his arrival“. It would be the best if we can find a common date, so that we get more attention in the hole
world! We provide the six of June!

Important:

  • try to be as serious as possible
  • don’t stay in larger groups- at the maximum two people at one place. Otherwise it wouldn’t have the desired effect on the incoming people.
  • in the case that you want to cover your face: use sun glasses instead of a mask. We are not Anonymous! We are the people!
  • remember: you are waiting for someone. With the only difference that this person will never arrive.

// share this date, make fotos from your actions

common hashtag = #WaitingForEd

Georg Schramm erhält den Erich Fromm Preis 2012

Zitate aus der Rede von Georg Schramm:

„Nach uns kommt nicht die Sintflut, wir sind die Sintflut.“

„Für Dombrowski kommt Küngs Weltethik auf jeden Fall zu spät. Seine Verzweiflung hat in den letzten Jahren eine Eigendynamik entwickelt, die ich nicht mehr bremsen kann. Er zürnt seinem Ende unwiderruflich entgegen, ich kann es nicht mehr verhindern, nur noch gestalten. Ich schulde ihm ein Ende, das noch am Schluss alle Erwartungen enttäuscht. Kein aufrechter Suizid als Märtyrer, kein schnöder Verkehrsunfall, sondern ein noch nie erlebter Bühnentod.

Der könnte so aussehen: Dombrowski begibt sich psychisch und physisch völlig verausgabt mit burnout-Syndrom in therapeutische Behandlung. Nach intensiver Einzeltherapie findet er zu sich. Er kann sich annehmen, zur Ruhe kommen, auf sich Rücksicht nehmen. Er muss nicht mehr täglich in den Kampf ziehen, sondern hat gelernt, sich zurück zu nehmen.

Auf diese Weise in sich ruhend betritt er wieder die Bühne – und langweilt die Zuschauer zu Tode. Spätestens bei seinen Ratschlägen, wie sie es ihm gleichtun können, verlassen sie den Saal. Ende einer großen Karriere durch therapeutischen Erfolg.“

10 Strategien der Manipulation

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Die Punkte beschreiben, wie das “System”, also die Regierung, die Medien und Lobbyisten die Bevölkerung gezielt manipulieren und steuern, um die eigenen Ziele zu verfolgen und somit umzusetzen.

1. Kehre die Aufmerksamkeit um
Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Ereignisse umzulenken, damit man von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane auf unwesentliche Nachrichten ablenkt, der Technik des stetigen Präsent-Sein. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Cybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung den wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend auf dem Level eines Tieres.

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