Die nächste Ungleichheit

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Hitzewelle Die Teilung in Arm und Reich lässt sich auch beim Klima nicht ignorieren: Während sich Wohlhabende Kühlung verschaffen, schwitzen sich andere tot

von Amy Fleming

Als in diesem Sommer die Hitzewelle durch die kanadische Provinz Quebec zog und in wenig mehr als einer Woche 90 Todesopfer forderte, hat derunbarmherzige Sonnenschein die Ungleichheit zwischen Arm und Reich deutlich gemacht. In Montreal, der größten Stadt der Provinz, suchten die wohlhabenden Einwohner in herrlich von Klimaanlagen gekühlten Büros und Häusern Schutz. Die Obdachlosen der Stadt – die normalerweise in öffentlichen Räumen wie Shopping Malls und Restaurants nicht willkommen sind – hatten es dagegen schwer, sich der bleiernen Hitze zu entziehen.
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Medienbildung im 21. Jahrhundert


Die verkehrspolizeiliche Metaphorik der genannten Bildungsoffensiven suggeriert die Ausrichtung auf einen effizienten, reibungslosen Verkehr auf der Datenautobahn.

Von: Petra Missomelius und Roberto Simanowski (07.04.2014)

Polizisten kommen jetzt öfter in die Schulen. Früher für den Verkehrsunterricht, heute auch, um Schüler über die Gefahren des Datenhighways aufzuklären: über Cyber-Mobbing, Datenschutz und sexuelle Belästigung.1 Dagegen ist nichts einzuwenden. Auch nicht gegen die Pädagogik der Abschreckung, die gern an einem ausgewählten Schüler zeigt, wie viel man über ihn erfährt allein aus dem, was er selbst dem Netz anvertraut hat. Das Staunen ist dann so groß wie die Einsicht. Erfahrungen am eigenen Leib oder dem der Mitschüler sind so eindrucksvoll wie die clever gemachten bewahrpädagogischen Aufklärungsvideos der actioninnocence.org oder der EU-Initiative klicksafe.de zu den Gefahren des Internet. Und sie sind alle unverzichtbar, denn viele wissen nicht einmal dies.

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Postkapitalistische Perspektiven


Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit leben wir in einem echten Weltsystem: dem Kapitalismus. Er ist dabei, sich zu Tode zu siegen. Der Ausstieg aus der heißlaufenden Maschine Kapitalismus stellt eine gewaltige Herausforderung dar. Auf der Suche nach gesellschaftlichen Alternativen kommen wir um die Frage nach dem Gemeineigentum nicht herum.

Von Raul Zelik


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Philanthrokapitalismus – Geld für die Welt

Mark Zuckerberg besucht die Carnegie Mellon University
Mark Zuckerberg besucht die Carnegie Mellon University. Die (CMU) ist eine private Forschungsuniversität in Pittsburgh, Pennsylvania.

Warum unterstützen die großen Wohltäter aus dem Silicon Valley so gerne Bildungsprogramme? Wer sich die Projekte im Einzelnen ansieht, die etwa Mark Zuckerberg oder Bill Gates finanzieren, erkennt darin ganz klare Ziele.

Von Evgeny Morozov (english below)

Die Welt, in der Milliardäre ganz unverblümt daran arbeiteten, sie zu plündern, statt zu behaupteten, sie zu verbessern, war weit weniger verwirrend. Die Räuberbarone des Industriezeitalters wie Henry Ford, Andrew Carnegie oder John D. Rockefeller spendeten immer ein wenig von ihrem Reichtum für wohltätige Zwecke. Aber zwischen Wohltätigkeit und Profit gab es bei ihnen immer einen klaren Unterschied. Öl und Stahl brachten das Geld, Bildung und Künste halfen ihnen, das dann auszugeben.
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Moderne Kriegführung – Automatisierte und autonome Systeme in der Militär- und Waffentechnik

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von Ulrike Esther Franke

„Krieg ist ein zu ernstes Geschäft, als dass man ihn den Computern überlassen dürfte.“ Mit diesem von Georges Clemenceau inspirierten Zitat endete 2014 ein Beitrag zur automatisierten Kriegführung des Politikwissenschaftlers Niklas Schörnig.[1] Wie er zeigen sich weltweit viele Expertinnen und Experten besorgt angesichts der zunehmenden Automatisierung von Militär- und Waffentechnik. Schlafwandeln wir in eine Welt, in der autonome Waffensysteme gegen Menschen eingesetzt werden und ein globaler Rüstungswettlauf um „Killerroboter“ droht?

In diesem Artikel werden die aktuellen Entwicklungen im Bereich der automatisierten Kriegführung besprochen. Welche Formen der Automatisierung und Autonomie von Militärtechnik und Waffensystemen werden schon heutzutage in der Kriegführung eingesetzt? Welche Erklärungen gibt es für den Trend zu immer größerer Automatisierung bis hin zur Autonomie? Es wird gezeigt, dass bereits diejenigen Systeme, die heute oder in naher Zukunft verwendet werden, Probleme aufwerfen. Die Gefahr besteht, dass ohne eine breite öffentliche Diskussion und ein Verbot bestimmter Systeme und Funktionen die Entwicklung hin zu einer Situation, in der Roboter selbst entscheiden, Menschen zu töten, kaum aufzuhalten ist. Continue reading „Moderne Kriegführung – Automatisierte und autonome Systeme in der Militär- und Waffentechnik“

Interfaces, Devices, Brain images

To be experimental and fluid in our approaches and to play with our tools rather than just to utilize them is important to grasp the fascinating complexity of contemporary societies. To investigate digital cultures with scientific research methods means to both be exceedingly precise in analyzing and simulating the fragile mechanisms, infrastructures and protocols that constitute them, and to get our hands dirty. – cdc.leuphana.com

Nudging gefährdet Ihre Urteilsfreiheit

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von Frank Furedi

Als neue Form des Paternalismus etabliert sich das Nudgen („Anschubsen“). Mittels sogenannter Entscheidungsarchitektur sollen Menschen zum „richtigen“ Verhalten motiviert werden. Das beeinträchtigt die moralische Autonomie und die öffentliche Debatte.

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How Technology Hijacks People’s Minds — from a Magician and Google’s Design Ethicist

by Tristan Harris

I’m an expert on how technology hijacks our psychological vulnerabilities. That’s why I spent the last three years as Google’s Design Ethicist caring about how to design things in a way that defends a billion people’s minds from getting hijacked.

When using technology, we often focus optimistically on all the things it does for us. But I want you to show you where it might do the opposite.

Where does technology exploit our minds’ weaknesses?

I learned to think this way when I was a magician. Magicians start by looking for blind spots, edges, vulnerabilities and limits of people’s perception, so they can influence what people do without them even realizing it. Once you know how to push people’s buttons, you can play them like a piano. Continue reading „How Technology Hijacks People’s Minds — from a Magician and Google’s Design Ethicist“

Überwachungskapitalismus: Wie wir Googles Sklaven wurden

Staatliche Kontrolle ist harmlos im Vergleich zu dem, was Google macht: Der Konzern schafft einen beispiellosen Überwachungskapitalismus. Ist dagegen denn gar kein Kraut gewachsen?

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von Shoshana Zuboff

Staatliche Kontrolle ist harmlos im Vergleich zu dem, was Google macht: Der Konzern schafft einen beispiellosen Überwachungskapitalismus. Ist dagegen denn gar kein Kraut gewachsen?

Unlängst überflügelte Google Apple erstmals seit 2010 als höchstbewertetes Unternehmen der Welt. Damals hatten beide Unternehmen einen Wert von jeweils 200 Milliarden Dollar; heute werden sie mit mehr als 500 Milliarden Dollar bewertet. Zwar behielt Google diese Führungsposition nur ein paar Tage lang, doch der Erfolg des Unternehmens hat Konsequenzen für alle Menschen. Warum? Weil Google der Ground Zero einer gänzlich neuen Unterart des Kapitalismus ist, bei dem die Gewinne aus der einseitigen Überwachung und Veränderung menschlichen Verhaltens stammen. Was sind die Geheimnisse dieses neuen Überwachungskapitalismus, und wie produzieren solche Unternehmen derart atemberaubende Reichtümer?
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